Reitart
Tanz auf vier Hufen

Dressurreiten, Die olympische Disziplin harmonischer Präzision

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Horse portrait
Ursprung
Antike (Xenophon)
Olympisch seit
1912
Klassen
E bis Grand Prix
Viereck
20 × 40 / 20 × 60 m
Einstieg ab
ca. 25–45 € / Stunde

Was ist Dressurreiten?

Dressur ist die systematische Gymnastizierung des Pferdes: Es lernt, sich im Gleichgewicht zu tragen, auf feinste Hilfen zu reagieren – und bleibt dabei gesund und schön.

Der Begriff kommt vom französischen dresser (ausbilden) – gemeint ist keine Zirkusdressur, sondern eine jahrhundertealte Ausbildungslehre, die die Grundlage jeder Reitweise bildet, vom Springen bis zum Wanderreiten. Als Turniersport zeigen Pferd und Reiter:in Aufgaben im Viereck, die Richter:innen mit Noten von 0 bis 10 bewerten.

0–10

Noten pro Lektion – ab 60 % gilt eine Prüfung als solide, die Weltspitze reitet über 90 %

♀ = ♂

Eine der wenigen olympischen Sportarten, in denen Frauen und Männer gleichberechtigt antreten

Nr. 1

Deutschland ist die erfolgreichste Dressurnation der Olympiageschichte

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2.400 Jahre Reitkunst

Geschichte

~400 v. Chr.

Xenophon

Die älteste erhaltene Reitlehre fordert Ausbildung ohne Gewalt – das Pferd soll sich „freiwillig prächtig" zeigen.

1733

Barocke Blüte

La Guérinières „École de Cavalerie" wird zum Fundament der klassischen Dressur – gepflegt bis heute in Wien und Saumur.

1912

Olympisch

Premiere in Stockholm – zunächst nur für Offiziere. Im selben Jahr systematisiert die H.Dv.12 die deutsche Ausbildungslehre.

1952

Sport für alle

Zivilist:innen und Frauen werden zugelassen – seither gewinnen Reiterinnen die Mehrzahl der Medaillen.

Heute

Kür zu Musik

Seit den 1980ern führt die Musik-Kür die Weltspitze an; Deutschland dominiert die Medaillenwertung.

Das Herzstück

Die Skala der Ausbildung

Sechs aufeinander aufbauende Punkte – jede Trainingseinheit wird an ihnen gemessen. Kein starres Nacheinander, sondern ein Kreislauf: Auch ein Grand-Prix-Pferd wird täglich über Takt und Losgelassenheit gearbeitet.

1

Takt

Gleichmäßiger Rhythmus in allen drei Grundgangarten.

2

Losgelassenheit

Das Pferd schwingt zwanglos im Rücken und lässt die Hilfen durch.

3

Anlehnung

Konstante, weiche Verbindung zwischen Hand und Pferdemaul.

4

Schwung

Die Energie der Hinterhand überträgt sich über den Rücken auf die Bewegung.

5

Geraderichtung

Vor- und Hinterhand arbeiten auf einer Linie – für gleichmäßige Belastung.

6

Versammlung

Mehr Last auf der Hinterhand – das Pferd wird vorne leichter und erhabener. Das Ziel der Ausbildung.

Vom Zirkel zur Piaffe

Die Lektionen

Basis

Übergänge

Zwischen und innerhalb der Gangarten – das tägliche Brot jeder Dressurarbeit.

Hufschlagfiguren

Zirkel, Volten, Schlangenlinien, Durch-die-Bahn-Wechseln.

Rückwärtsrichten

Tritte rückwärts auf feine Hilfen – Gehorsams- und Gleichgewichtsprobe.

Seitengänge

Schenkelweichen

Vorbereitende Übung – das Pferd weicht seitwärts-vorwärts.

Schulterherein

„Mutter aller Lektionen" (La Guérinière) – Biegung auf drei Hufschlaglinien.

Travers & Traversalen

Biegung in Bewegungsrichtung – in der Traversale diagonal durchs Viereck.

Hohe Schule

Fliegende Wechsel

Umspringen im Galopp – bis zu Ein-Tempi-Wechseln von Sprung zu Sprung.

Galopppirouette

360°-Drehung auf der Hinterhand im versammelten Galopp.

Piaffe & Passage

Trab auf der Stelle bzw. erhabener Trab mit verlängerter Schwebephase – die Krönung.

Lektionen „über der Erde" – Levade, Courbette, Kapriole – gehören nicht zum Turniersport; sie werden nur an klassischen Instituten wie der Spanischen Hofreitschule gepflegt.

Der Weg nach oben

Klassen & Turniersystem

Vom ersten Turnier im 20×40-m-Viereck bis zum Grand Prix mit den Bahnpunkten A bis K – jede Klasse baut auf der vorherigen auf.

E

Einsteiger

Grundgangarten, einfache Hufschlagfiguren.

A

Anfänger

Erste Verstärkungen, Schenkelweichen.

L

Leicht

Schulterherein, Außengalopp; teils Kandare.

M

Mittelschwer

Traversalen, fliegende Wechsel.

S

Schwer

Serienwechsel, Pirouetten.

GP

FEI / Grand Prix

Prix St. Georges bis Grand-Prix-Kür im 20×60-m-Viereck.

Wer kann mitmachen?

Geeignete Pferde

Horse portrait

Grundsätzlich kann jedes gesunde Pferd dressurmäßig gearbeitet werden – genau das ist der Sinn der Dressur. Wichtiger als die Rasse sind drei taktreine Grundgangarten, Rittigkeit und ein arbeitswilliger Charakter.

  • Warmblüter (Hannoveraner, Oldenburger, KWPN) dominieren den Sport mit raumgreifenden, taktsicheren Gängen.
  • Barockrassen wie Friesen, Lipizzaner und PRE glänzen durch natürliche Versammlung und Aufrichtung.
  • Ponys tragen den gesamten Nachwuchssport bis zu eigenen Bundeschampionaten.

Praxis: Ausrüstung, Einstieg & Kosten

Ausrüstung

Pferd: Dressursattel mit langem Sattelblatt, Trense (Kandare ab L/M).

Reiter:in: Helm (Turnierpflicht), Stiefel, helle Hose; ab höheren Klassen Jackett oder Frack.

Reglementiert: Gertenlänge, Sporen je nach Klasse.

Im Viereck verboten: Bandagen, Hilfszügel, Ohrenstöpsel.

Der Einstieg

  1. Sitzschulung an der Longe – die wichtigste Investition.
  2. Gruppen- und Einzelunterricht in der Reitschule.
  3. FN-Reitabzeichen (RA 10–1) als strukturierter Weg – ab RA 5 mit Turnierlizenz.
  4. Reitbeteiligung oder Schulpferde-Turniere – Dressur bis L geht ohne eigenes Pferd.

Was kostet es?

Gruppenstunde25–45 €
Einzelunterricht40–80 €
Wochenend-Lehrgang200–450 €
Reitbeteiligung / Monat50–150 €
Eigenes Pferd / Monat400–900 €+
Nenngeld / Prüfung15–40 €
⚠️

Tierwohl & moderne Debatte

Der moderne Dressursport steht auch in der Kritik: Methoden wie die Hyperflexion („Rollkur"), bei der das Pferd mit extrem engem Hals gearbeitet wird, sind von der FEI verboten und werden von der klassischen Lehre klar abgelehnt. Die Debatte hat den Sport verändert – Richtlinien betonen heute stärker Losgelassenheit und ein zufriedenes Pferd; Verstöße führen zu Sanktionen bis zur Disqualifikation.

Für Freizeitreiter:innen gilt die einfache Richtschnur der Skala: Eine Lektion ist nur dann korrekt, wenn das Pferd dabei losgelassen und im Takt bleibt.

Reiterhöfe & Ställe für Dressur & Klassik

Wir bauen ein Verzeichnis von Reiterhöfen, Ställen und Pensionsställen rund um Dressur & Klassik auf. Trag dich ein und wir melden uns, sobald die ersten Höfe gelistet sind.

Welche Reitarten zählen zu Dressur & Klassik?

Foto folgt

Reitkunst

Klassische Dressur
Richterbewertung
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Para-Dressursport

FEI-anerkannt
Paralympisch
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Moderne Dressur

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Klassisch & Akademisch

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Barockreiten

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Iberisch

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Quellen & Verbände

Offizielle & weiterführende Quellen

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